
Havenwelten: Marketing-Experte Lukas Schad aus Langen spricht sich für TV-Spots aus
Mut zu Investitionen. Eine Ansage, die der Unternehmensberater und Marketing-Experte Lukas Schad aus Langen gerne ausgibt – vor allem mit Blick auf die touristische Entwicklung der Region Bremerhaven-Cuxhaven.
Schad, der für Frosta das „Reinheitsgebot“ mitentwickelte und lange Zeit in der Schweiz gelebt hat, hat sich im Cuxland selbstständig gemacht. Ganz bewusst. „Hier ist ein großer Wandel im Gange“, sagt er. Das SJ sprach mit Schad unter anderem über das regionale Entwicklungspotenzial.
SJ: Der Sitz Ihres Unternehmens ist Debstedt. Nicht gerade der Nabel der Welt, nachdem Sie als Unternehmensberater ja weltbereist sind . . .
Schad: Debstedt ist überhaupt kein Problem. Das ist keinerlei Standortnachteil. Ich bin vor sieben Jahren hierhergezogen, weil ich bei Frosta als „Senior Product Manager Europe“ die Entwicklung des Reinheitsgebots mitbetreut habe, bevor ich dann Marketingleiter bei Voco wurde. Die Region hat eine sehr hohe Lebensqualität, bietet viel Natur, Strände und frische, gesunde Luft – und in der Zeit des Internets kann ich heute von überall aus arbeiten. Und für mich ist es auch kein Thema, zum Beispiel früh morgens in Debstedt loszufahren, damit ich um 11 Uhr zu einem Termin in München bin. Es ist eben alles eine Frage der Sichtweise.
SJ: Sie sprechen vom „großen Wandel“. Was meinen Sie damit?
Schad: Als ich meinen Freunden und Geschäftspartnern damals gesagt habe, dass ich nach Bremerhaven gehe, haben sie mich ungläubig angeguckt und mir von Kampfhunden und sozialem Elend erzählt. Aber wenn meine Frau und ich Gäste – auch aus dem Ausland – hier begrüßen, sind die völlig begeistert von der Vielfalt dieser Region. Und die Aufbruchstimmung hat gerade in letzter Zeit stark zugenommen, natürlich nicht unerheblich durch die Entwicklung in Bremerhaven, zum Beispiel mit dem Auswandererhaus. Wir können wirklich stolz auf das sein, was diese Region vorzuweisen hat.
SJ: Sie beschäftigen sich auch intensiv mit dem Thema Markenbildung. Was zeichnet unsere Region ganz besonders aus?
Schad: Als „Marketinglotse“ sorge ich bei meinen Kunden dafür, dass sie ihren Kunden deutlich machen, wofür sie stehen. Es ist wichtig, die Emotionen der Menschen anzusprechen. Die meisten Entscheidungen sind emotional begründet. Für unsere Region muss der maritime Standort ganz in den Vordergrund gerückt werden. Die entsprechende Kompetenz im Bereich der Klimaforschung – vor allem über das Alfred-Wegener-Institut –, im Bereich der Nahrungsmittelproduktion und der Lebensmitteltechnologie muss noch stärker herausgestellt werden. So etwas wie das Klimahaus ist hier an der Küste vollkommen richtig platziert. Auch das Thema Wellness und Erholung ist bestimmend, und es muss mehr Angebote für Familien geben.
SJ: Was halten Sie von den neuen „Havenwelten“?
Schad: Ich finde den Namen als Marke gut und denke auch, dass das Konzept aufgehen wird. Aber: Zum einen glaube ich auch, dass die Havenwelten nur einen durchschlagenden Erfolg haben werden, wenn sie ganz stark vermarktet werden – und das ist nur mit einer großen Imagekampagne über das Fernsehen zu schaffen. Sicher, der Finanzaufwand dafür liegt im Millionenbereich, aber der lohnt sich auch. Das Legoland beispielsweise liegt auch „in der Pampa“, aber die Leute fahren in Massen hin. Und die kleine Landschlachterei Rügenwalder hat sich so zu einem Großunternehmen entwickelt, und bei Frosta hat das Marketing auch wesentlich für den Erfolg gesorgt. Hier sind deshalb die Investoren gefragt, sich finanziell zu engagieren. Das kann nicht die Aufgabe der Stadt sein. Es gilt: Nicht kleckern, sondern klotzen. Ein Manko des Atlantic Hotels Sail City ist übrigens, dass die besten Etagen durch Bremenports belegt sind und dadurch die Kapazität nicht ausreichend ist. Dies steht aus meiner Sicht der touristischen Entwicklung entgegen.