„Streich-Konzert“: Götjen rechtfertigt neuen Landkreis-Haushalt
Die „Sparorgie“ beim Landkreis ist noch längst nicht ausgestanden. Gegenüber dem SJ sagte Claus Götjen, Chef der CDU-Kreistagsfraktion, der richtige Weg in dieser Krise sei eine „Initiative für Bürgerengagement“. Erste Entwicklungen zum Beispiel beim bedrohten Hermann-Allmers-Haus zeigten, dass dieser Ansatz auch aufgehe. „Wir sitzen alle in einem Boot“, betonte Götjen.
SPD-Fraktionsvorsitzender Claus Johannßen entgegnete, der Beschluss der CDU-Mehrheit sorge bei den Bürgern für Frust. „Dass Herr Götjen jetzt eine Initiative für Bürgerengagement fordert, ist einfach dreist. Er nimmt die Wahrheit nicht wahr“, kritisierte Johannßen. „Bürgerengagement gab es immer.“
„Es traut sich keiner“
Auch in der CDU-Fraktion stimmten längst nicht alle Mitglieder mit dem eingeschlagenen Kurs des „Kapitäns“, wie sich Götjen gerne selber nennt, überein. „Weil aber der Druck von Landesseite her kommt – vor allem von David McAllister, CDU-Fraktionschef im Landtag – traut sich keiner, etwas dagegen zu sagen“, weiß Johannßen. Das Land sei gefordert, seinen Kommunen mit einem Entschuldungsfonds zu helfen.
Die Rechtsauffassung des CDU-Kreisvorsitzenden und Bundestagsabgeordneten Enak Ferlemann habe in den Kommunen „großes Entsetzen“ ausgelöst. Die Gemeinden stünden aus dessen Sicht also „an letzter Stelle“, meinte Johannßen. Ferlemann hatte im Kreistag gesagt, laut Rechtslage müssten sich zunächst der Bund und das Land entschulden, bevor die Kommunen dran seien. Damit hatte er auch gerechtfertigt, dass die so genannte Kreisumlage (Zuschüsse der Gemeinden an den Kreis) nicht gesenkt werden soll.
Die SPD hatte sich im Kreistag nicht mit ihrer Forderung durchsetzen können, mit anderen Ansätzen im Haushalt zu einer neuen Gewichtung zu kommen. So geht sie zum Beispiel von Mehreinnahmen beim Finanzausgleich für den Landkreis aus und hatte auch die „Überprüfung der Zuschüsse im Bereich der Wirtschaftsförderung“ angeregt. „Doch nun heißt es: Den letzten beißen die Hunde“, schimpfte Johannßen mit Blick auf den Druck, der nun auf den Kommunen laste.
Götjen sagte dem SJ, die hauptamtlichen Bürgermeister hätten sich „teilweise frech wie Oskar“ verhalten, weil bei der Festsetzung ihrer Haushalte nicht mit den gesetzlichen 52,5 Prozent, sondern schon mit 50 oder 51 Prozent gerechnet hätten. Das aber sei eben „zu schwammig“ gewesen. Nun müssten in den Gemeinden Lösungen für die bedrohten Kultureinrichtungen wie das Waldmuseum Wingst und das Hermann-Allmers-Haus gefunden werden – „auch zusammen mit den Banken“.
„Arrogant und selbstherrlich“
Für die Linken sprach deren Kreistagsabgeordneter Ulrich Schröder indes von einer „nicht zu überbietenden Arroganz und Selbstherrlichkeit von CDU und FDP“. Das Land spiele Landkreis und Kommunen gegeneinander aus. „Und CDU und FDP spielen mit.“
Landrat Kai-Uwe Bielefeld (CDU) hatte betont, die Einrichtungen erhalten zu wollen. Es gehe aber darum, „sie aus den Büchern des Kreises herauszubekommen“. Morgen will er bei der Kommunalaufsicht (Hannover) die Änderungen vorstellen. Diese hatte den Haushalt nicht genehmigt.
Indes trafen sich in Rechtenfleth rund 70 Bürger, um über die Zukunft des Allmers-Hauses zu diskutieren. Sie wollen alles daransetzen, das Haus noch zu retten.
Eingetragen unter:Elbe-Weser-Region, Landkreis Cuxhaven , Götjen, Haushalt, Johannßen, Kommunalaufsicht, Landkreis Cuxhaven

