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Die Medien, die Elbe-Weser-Region und weltweite Schlaglichter

Retten, was zu retten ist

SONNTAGSJOURNAL-Interview mit dem umstrittenen Demografie-Beauftragten Burgfried Stölting
Kreis Cuxhaven/Bremerhaven.Das Schreckensszenario von verödeten Dörfern und einer chancenlosen Zukunft für die Region treibt besonders Politiker und Verwaltungsspitzen mehr denn je um. Wie die Kommunen reagieren müssen, um zu retten, was zu retten ist, darüber sprach das SJ mit Burgfried Stölting, Demografie-Beauftragter der Unterweser-Region.


Burgfried Stölting: „Es hilft ja nichts: Wir müssen offen darüber reden, welche Folgen durch den Demografischen Wandel auf uns zukommen.“

SJ: Warum braucht das Regionalforum Bremerhaven einen Demografie-Beauftragten?

Stölting: Der Unterweserraum gehört nach den Aussagen des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung zu den am stärksten vom Demografischen Wandel betroffenen Regionen Deutschlands. Und wenn diese Region, die sich zudem ja als solche weserübergreifend überhaupt erst langsam zusammenfindet, seit dem Jahr 2000 bereits rund 8500 Einwohner verloren hat und innerhalb der nächsten zwölf Jahre weitere 30 bis 40000 verlieren wird, ist sie gut beraten, sich mit diesen Entwicklungen schnell und intensiv auseinanderzusetzen. Dem Demografiebeauftragten kommt in diesem Prozess die Aufgabe zu, das Problembewusstsein zu schärfen und den kommunalen Akteuren zunächst einmal Fakten in die Hand zu geben, die als Grundlage für Handlungsoptionen dienen können. Es wird darum gehen, gemeinsam mit den Kommunen Instrumente zu entwickeln, um den Veränderungs- und Schrumpfungsprozess analysieren und gestalten zu können.

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Stölting: Wir müssen umdenken

Langen macht Demografischen Wandel zum Aktionsthema
Langen. Es geht nicht darum Schwarzmalerei zu betreiben, betont Burgfried Stölting, Demografie-Beauftragter der Stadt Langen. Doch die Stadt müsse nun schnell klären, „wie Langen sich in dieser wirtschaftlich relativ schwachen und schrumpfenden Region positionieren kann“. Zwar sei die Stadt noch gut aufgestellt, aber: „Andere Gemeinden im Landkreis haben in den vergangenen Jahren nachgezogen und vergleichbare Strukturen geschaffen“.

Deshalb hat Stölting seinen Gesamtbericht zur Lage der Stadt betitelt: „Den demografischen Wandel als Herausforderung für kommunales Handeln annehmen: Das Beispiel Stadt Langen.“ Demnächst soll die Übersicht auch als Bürgerbroschüre erscheinen.

Inzwischen unübersehbar

Die Zeichen für eine starke Strukturveränderung in der Bevölkerung seien inzwischen unübersehbar: Langen verliere seit 2004 Einwohner, die Zahl der Bauanträge stagniere, und die Zahl der Kinder und jungen Menschen nehme rapide ab. Gleichzeitig nehme der Anteil der älteren Menschen erheblich zu. „Die Geburtenrate liegt in Langen um fast 24 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt von 1,3 und ist die niedrigste im Landkreis Cuxhaven“, macht Stölting deutlich. Die wesentliche Ansatzpunkte, in denen sich die Stadt Langen in der Region positionieren könne, sind nach Stöltings Auffassung der Bildungsbereich, die Seniorenpolitik und die Stärkung des Wirtschaftsstandorts. Stölting: „Für unverzichtbar halte ich in diesem Zusammenhang zunächst einmal die Herstellung eines politischen Konsenses darüber, dass in Zukunft nicht mehr Wachstum die kommunale Entwicklung bestimmten wird.“ Vielmehr müsse es um Nachhaltigkeit gehen.

Das erfordere zum Beispiel einen „erheblichen Umdenkungsprozess, gerade in der jahrzehntelang wachsenden und aufstrebenden Stadt Langen. Wer stellt schon gerne die Tatsache, dass eine Einrichtung mühsam gehalten werden konnte oder angesichts sinkender Kinderzahlen eine Kindergartengruppe geschlossen werden musste, um unnötige Kosten zu verhindern, als politisch sinnvollen Erfolg dar?“ Stölting plädiert dafür, mit Blick auf die Kindergarten-Entwicklung eine Elternbefragung vorzunehmen. Im Bereich der Bildung müsse es zu einer „Qualifizierungsoffensive“ („Stadt der Bildung“) kommen, die beispielsweise „musikalische Früherziehung für jedes Kind“ und „systematische Förderung der sportlichen Fähigkeiten“ umfasst.

Und in der Seniorenpolitik müssten Bedingungen geschaffen werden, „unter denen sich ältere Menschen in Langen wohlfühlen, und die ihnen ein interessantes und selbstbestimmtes Leben ermöglichen“. Dazu brauche Langen dringend mehr altengerechte Mietwohnungen, die zudem möglichst zentral liegen.

In einer Aktionswoche der ARD unter dem Motto „Mehr Zeit zu leben“ geht es auch um den Demografischen Wandel. Auftakt dazu wird ein bundesweiter Aktionstag mit 100 Gemeinden und Städten am Sonnabend, 19. April, sein, an dem sich Langen als einzige Kommune im Kreis Cuxhaven beteiligt.

Auf „Zeitreise“ gehen

„Eine Zeitreise durch Langen“: Unter diesem Motto öffnet das Rathaus an diesem Tag von 14.30 bis 17.30 Uhr. Zwei ganz besondere Cafés laden zum Besuch ein, das eine im Stil der 50er-Jahre eingerichtet und das andere futuristisch ausgerichtet auf das Jahr 2050. In den Gängen zwischen den beiden Cafés wird es Schaubilder mit Materialien zur jeweiligen Epoche und Informationen zum Thema Demografischer Wandel geben. „Auf diese Weise kann dann in ungezwungener Atmosphäre ein Dialog zwischen den Generationen und mit den interessierten Bürgern geführt werden“, freut sich der Demografie-Beauftragte.

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