Annette Faße und Kai-Uwe Bielefeld
Debatte um Ausbau der Bundesstraße: SPD, Grüne und Linke favorisieren „Zwei-plus-eins-Variante“
Lange ging es nur um die Küstenautobahn A 22. Da nun aber der Ruf der Bürger nach einer Entschärfung der „Todesstrecke“ Bundesstraße 73 von Cuxhaven nach Hamburg immer lauter wird, steht die Politik immer stärker unter Druck.
In Teilschritten soll es zu einem Ausbau der B 73 kommen. „Die Straße hat viel zu viel Blutzoll gefordert“, sagte Landrat Kai-Uwe Bielefeld jetzt im Kreistag. Er sehe die Zeit dafür gekommen, „das Fenster weit aufzudrücken“. Doch noch ist unklar, woher das Geld für die Realisierung genau kommen soll.
Eine Expertenkommission aus Fachleuten von Polizei und Straßenverkehrsbehörden hatte sich im August für den Bau einer dritten Fahrspur ausgesprochen. Diese könnte wechselseitig zum Überholen genutzt werden. Mit einer solchen „Zwei-plus-eins-Variante“ seien vor und hinter dem Wesertunnel gute Erfahrungen gesammelt worden. Zudem seien in gefährlichen Kurven Leitplanken sinnvoll.
Abstimmung im Ministerium
Nach der SPD im Juni hat nun die CDU im Kreistag einen Antrag zum Thema vorgelegt. Zwischenzeitlich hat es Informationsveranstaltungen einer Initiative für den Ausbau der B 73 in der Samtgemeinde Am Dobrock sowie Abstimmungsgespräche im Wirtschaftsministerium in Hannover gegeben.
Damit die Sache „nicht als Bettvorleger endet“, warnte Kreisdezernent Günter Jochimsen die Politiker, bei den Plänen „von vorne anzufangen“. Es müsse eine deutliche Botschaft für eine realistische Lösung geben, forderte er und zielte damit nicht zuletzt auf die Höhe der Planungskosten.
Doch auf ein klares gemeinsames Signal konnte sich der Kreistag nicht einigen: SPD, Grüne und Die Linke favorisieren eine andere Taktik als die CDU-Mehrheitsgruppe. Sie setzen sich für den Ausbau der gesamten Strecke und die „Zwei-plus-eins-Variante“ ein. Die CDU aber winkte ihren Antrag durch, nach dem zunächst der Teil „von der Gemeindegrenze Cadenberge/Hemmoor bis zur im Bau befindlichen Ortsumgehung Otterndorf zukunftsfähig und insbesondere das Planfeststellungsverfahren für den Bauabschnitt Otterndorf bis einschließlich Ortsumgehung Cadenberge eingeleitet wird“.
Diese Vorgehensweise sei die richtige, meinte Bundestagsabgeordneter Enak Ferlemann für die CDU. Die Hauptlast der Planungskosten werde der Landkreis übernehmen müssen. Zudem müsse es zu einer „völlig neuen Trassierung“ kommen. Von der „Zwei-plus-eins-Variante“ hält die CDU nichts. „Die ist an vielen Stellen nicht zu realisieren, weil die Häuser zu dicht an der Straße stehen“, sagte der CDU-Bezirksvorsitzende.
Für das Landvolk forderte Volker Kamps (CDU) einen verantwortungsvollen Umgang mit den Flächen. Auch er erteilte der „Zwei-plus-eins-Regelung“ eine Absage. „Die Bauern kommen mit ihren Maschinen sonst nicht mehr von den Höfen.“
„Weitab von der Straße“
Damit traf er auf Unverständnis bei den anderen Parteien, die Lösungsmöglichkeiten sehen. „Und gerade entlang dieser Strecke liegen die Häuser meistens weitab von der Straße“, meinte Ulrich Schröder (Linke).
Aus Sicht von SPD-Fraktionsvorsitzendem Claus Johannßen sei es geboten, den Teil von Cuxhaven bis Otterndorf nicht aufzugeben. „Das schadet den Interessen der Stadt Cuxhaven.“ Bundestagsabgeordnete Annette Faße (SPD) betonte, es dürfe nicht riskiert werden, dass Teilbereiche wieder aus dem vordringlichen Bedarf im Bundesverkehrswegeplan herausgenommen werden.
Dass dringender Handlungsbedarf bestehe, sei allen klar, sagte Faße. „Aber ich hätte mir die Initiative – auch von Seiten des Landrats – schon ein paar Jahre eher gewünscht.“ Auch die Wirtschaft sei damals wohl davon ausgegangen, dass der Ausbau automatisch erfolge, nachdem die B 73 in den vordringlichen Bedarf gekommen war. „Dem ist nicht so, wie sich gezeigt hat.“
Eingetragen unter:Nicht kategorisiert , A22, Ausbau B 73, Cadenberge, Cuxhaven, Hemmoor, Küstenautobahn, Ortsumgehung Otterndorf


