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Juni 2, 2008

„Emotionen ansprechen“

Gespeichert unter: Bremerhaven, Elbe-Weser-Region, Landkreis Cuxhaven — dbliedtner @ 11:21
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Havenwelten: Marketing-Experte Lukas Schad aus Langen spricht sich für TV-Spots aus

Mut zu Investitionen. Eine Ansage, die der Unternehmensberater und Marketing-Experte Lukas Schad aus Langen gerne ausgibt – vor allem mit Blick auf die touristische Entwicklung der Region Bremerhaven-Cuxhaven.

Schad, der für Frosta das „Reinheitsgebot“ mitentwickelte und lange Zeit in der Schweiz gelebt hat, hat sich im Cuxland selbstständig gemacht. Ganz bewusst. „Hier ist ein großer Wandel im Gange“, sagt er. Das SJ sprach mit Schad unter anderem über das regionale Entwicklungspotenzial.

SJ: Der Sitz Ihres Unternehmens ist Debstedt. Nicht gerade der Nabel der Welt, nachdem Sie als Unternehmensberater ja weltbereist sind . . .

Schad: Debstedt ist überhaupt kein Problem. Das ist keinerlei Standortnachteil. Ich bin vor sieben Jahren hierhergezogen, weil ich bei Frosta als „Senior Product Manager Europe“ die Entwicklung des Reinheitsgebots mitbetreut habe, bevor ich dann Marketingleiter bei Voco wurde. Die Region hat eine sehr hohe Lebensqualität, bietet viel Natur, Strände und frische, gesunde Luft – und in der Zeit des Internets kann ich heute von überall aus arbeiten. Und für mich ist es auch kein Thema, zum Beispiel früh morgens in Debstedt loszufahren, damit ich um 11 Uhr zu einem Termin in München bin. Es ist eben alles eine Frage der Sichtweise.

SJ: Sie sprechen vom „großen Wandel“. Was meinen Sie damit?
Schad:
Als ich meinen Freunden und Geschäftspartnern damals gesagt habe, dass ich nach Bremerhaven gehe, haben sie mich ungläubig angeguckt und mir von Kampfhunden und sozialem Elend erzählt. Aber wenn meine Frau und ich Gäste – auch aus dem Ausland – hier begrüßen, sind die völlig begeistert von der Vielfalt dieser Region. Und die Aufbruchstimmung hat gerade in letzter Zeit stark zugenommen, natürlich nicht unerheblich durch die Entwicklung in Bremerhaven, zum Beispiel mit dem Auswandererhaus. Wir können wirklich stolz auf das sein, was diese Region vorzuweisen hat.

SJ: Sie beschäftigen sich auch intensiv mit dem Thema Markenbildung. Was zeichnet unsere Region ganz besonders aus?
Schad:
Als „Marketinglotse“ sorge ich bei meinen Kunden dafür, dass sie ihren Kunden deutlich machen, wofür sie stehen. Es ist wichtig, die Emotionen der Menschen anzusprechen. Die meisten Entscheidungen sind emotional begründet. Für unsere Region muss der maritime Standort ganz in den Vordergrund gerückt werden. Die entsprechende Kompetenz im Bereich der Klimaforschung – vor allem über das Alfred-Wegener-Institut –, im Bereich der Nahrungsmittelproduktion und der Lebensmitteltechnologie muss noch stärker herausgestellt werden. So etwas wie das Klimahaus ist hier an der Küste vollkommen richtig platziert. Auch das Thema Wellness und Erholung ist bestimmend, und es muss mehr Angebote für Familien geben.

SJ: Was halten Sie von den neuen „Havenwelten“?
Schad: Ich finde den Namen als Marke gut und denke auch, dass das Konzept aufgehen wird. Aber: Zum einen glaube ich auch, dass die Havenwelten nur einen durchschlagenden Erfolg haben werden, wenn sie ganz stark vermarktet werden – und das ist nur mit einer großen Imagekampagne über das Fernsehen zu schaffen. Sicher, der Finanzaufwand dafür liegt im Millionenbereich, aber der lohnt sich auch. Das Legoland beispielsweise liegt auch „in der Pampa“, aber die Leute fahren in Massen hin. Und die kleine Landschlachterei Rügenwalder hat sich so zu einem Großunternehmen entwickelt, und bei Frosta hat das Marketing auch wesentlich für den Erfolg gesorgt. Hier sind deshalb die Investoren gefragt, sich finanziell zu engagieren. Das kann nicht die Aufgabe der Stadt sein. Es gilt: Nicht kleckern, sondern klotzen. Ein Manko des Atlantic Hotels Sail City ist übrigens, dass die besten Etagen durch Bremenports belegt sind und dadurch die Kapazität nicht ausreichend ist. Dies steht aus meiner Sicht der touristischen Entwicklung entgegen.

Neuer Makler für Zivilflughafen

Das Unternehmen „Guba“ aus Augsburg soll sich künftig um die Vermarktung der Betriebsfläche des Zivilflughafens Nordholz und des angrenzenden Gewerbegebiets kümmern. Inhaber der Beratungsfirma ist Stefan Bertele.

Der Makler war bereits für den Flughafen Parchim aktiv und verfügt nach eigenen Angaben über „besondere Kontakte zu flugplatzaffinen Gewerbebereichen“. Bartele soll auf Erfolgsbasis beschäftigt werden und fünf Prozent Maklercourtage erhalten, sollte er Investoren für Kauf, Pacht oder ähnliche Verträge gewinnen. Der Landkreis Cuxhaven und die Gemeinde Nordholz haben mit dem Augsburger Geschäftsmann jetzt einen entsprechenden Vertrag ausgehandelt.

„Bürgermeister sind frech wie Oskar“

„Streich-Konzert“: Götjen rechtfertigt neuen Landkreis-Haushalt

Die „Sparorgie“ beim Landkreis ist noch längst nicht ausgestanden. Gegenüber dem SJ sagte Claus Götjen, Chef der CDU-Kreistagsfraktion, der richtige Weg in dieser Krise sei eine „Initiative für Bürgerengagement“. Erste Entwicklungen zum Beispiel beim bedrohten Hermann-Allmers-Haus zeigten, dass dieser Ansatz auch aufgehe. „Wir sitzen alle in einem Boot“, betonte Götjen.

SPD-Fraktionsvorsitzender Claus Johannßen entgegnete, der Beschluss der CDU-Mehrheit sorge bei den Bürgern für Frust. „Dass Herr Götjen jetzt eine Initiative für Bürgerengagement fordert, ist einfach dreist. Er nimmt die Wahrheit nicht wahr“, kritisierte Johannßen. „Bürgerengagement gab es immer.“

„Es traut sich keiner“

Auch in der CDU-Fraktion stimmten längst nicht alle Mitglieder mit dem eingeschlagenen Kurs des „Kapitäns“, wie sich Götjen gerne selber nennt, überein. „Weil aber der Druck von Landesseite her kommt – vor allem von David McAllister, CDU-Fraktionschef im Landtag – traut sich keiner, etwas dagegen zu sagen“, weiß Johannßen. Das Land sei gefordert, seinen Kommunen mit einem Entschuldungsfonds zu helfen.

Die Rechtsauffassung des CDU-Kreisvorsitzenden und Bundestagsabgeordneten Enak Ferlemann habe in den Kommunen „großes Entsetzen“ ausgelöst. Die Gemeinden stünden aus dessen Sicht also „an letzter Stelle“, meinte Johannßen. Ferlemann hatte im Kreistag gesagt, laut Rechtslage müssten sich zunächst der Bund und das Land entschulden, bevor die Kommunen dran seien. Damit hatte er auch gerechtfertigt, dass die so genannte Kreisumlage (Zuschüsse der Gemeinden an den Kreis) nicht gesenkt werden soll.

Die SPD hatte sich im Kreistag nicht mit ihrer Forderung durchsetzen können, mit anderen Ansätzen im Haushalt zu einer neuen Gewichtung zu kommen. So geht sie zum Beispiel von Mehreinnahmen beim Finanzausgleich für den Landkreis aus und hatte auch die „Überprüfung der Zuschüsse im Bereich der Wirtschaftsförderung“ angeregt. „Doch nun heißt es: Den letzten beißen die Hunde“, schimpfte Johannßen mit Blick auf den Druck, der nun auf den Kommunen laste.

Götjen sagte dem SJ, die hauptamtlichen Bürgermeister hätten sich „teilweise frech wie Oskar“ verhalten, weil bei der Festsetzung ihrer Haushalte nicht mit den gesetzlichen 52,5 Prozent, sondern schon mit 50 oder 51 Prozent gerechnet hätten. Das aber sei eben „zu schwammig“ gewesen. Nun müssten in den Gemeinden Lösungen für die bedrohten Kultureinrichtungen wie das Waldmuseum Wingst und das Hermann-Allmers-Haus gefunden werden – „auch zusammen mit den Banken“.

„Arrogant und selbstherrlich“

Für die Linken sprach deren Kreistagsabgeordneter Ulrich Schröder indes von einer „nicht zu überbietenden Arroganz und Selbstherrlichkeit von CDU und FDP“. Das Land spiele Landkreis und Kommunen gegeneinander aus. „Und CDU und FDP spielen mit.“
Landrat Kai-Uwe Bielefeld (CDU) hatte betont, die Einrichtungen erhalten zu wollen. Es gehe aber darum, „sie aus den Büchern des Kreises herauszubekommen“. Morgen will er bei der Kommunalaufsicht (Hannover) die Änderungen vorstellen. Diese hatte den Haushalt nicht genehmigt.
Indes trafen sich in Rechtenfleth rund 70 Bürger, um über die Zukunft des Allmers-Hauses zu diskutieren. Sie wollen alles daransetzen, das Haus noch zu retten.

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