
Das SJ guckt genau hin: Bremerhaven und das Cuxland bei der Internationalen Tourismus-Börse (ITB)
Berlin. In Dubai (Halle 22) servieren junge, in edle Seidentücher gehüllte Damen den Gästen eine Tasse Tee, während diese über das Tourismusgeschäft am Persischen Golf philosophieren. Das „Dubai an der Nordsee“, wie mancher gern mit einer gewissen Portion Zynismus sagen mag, liegt gar nicht weit entfernt: In Halle 6 der Internationalen Tourismusbörse (ITB) präsentiert Hennig Goes die Havenwelten.
Bremerhaven – Meer erleben. Jetzt mit neuer Skyline, dem „Atlantic Hotel Sail City“, gebaut wie ein Segel. „Nicht alles, was in der Form ein bisschen bauchig ist, ist in Dubai“, kommentiert Hennig Goes, Chef-Touristiker der Seestadt, und sein Kollege Jochem Schöttler setzt noch eins drauf: „Wo passt diese Segelform besser hin als nach Bremerhaven!?“ Überhaupt sei der Vergleich mit Dubai bei den Verantwortlichen in der Urlaubsbranche kein Thema. Höchstens im Ausland werde darüber mal gesprochen. „Aber wenn diejenigen unser Hotel dann sehen, ist das für sie ein Aha-Effekt“, meint Schöttler.
Klar ist: Das Interesse an Bremerhaven als Tourismusstandort wächst auf Grund der neuen Attraktionen besonders. Das zeigen die Nachfragen am Stand Bremen/Bremerhaven von Vertretern der Reiseveranstalter, vor allem in Sachen Hotel, Auswandererhaus und Klimahaus. Auch, wenn Goes und Schöttler betonen, dass es sich um ein jahrelang erarbeitetes Wachstum im Städtetourismus handelt.Neugierige Blicke der Besucher auf die Modelle vom Alten/Neuen Hafen und dem Klimahaus. Rege Nachfrage nach Informationsmaterialien. „Das ist eine sehr positive Entwicklung in Bremerhaven“, sagt der Vertreter einer Unternehmensberatung, die sich demnächst auch am Alten/Neuen Hafen ansiedeln will. „Das hat dort einen besonderen Charme.“ Uwe Kuhlmann von der Bremerhavener Wirtschaftsförderung BIS verteilt efrig die neue Ausgabe der „Windrose“ mit den neuesten Fotos von der Havenwelten-Baustelle.
„Kein Trittbrettfahrer“
Ohne Zweifel: Bremerhaven habe es geschafft, nicht mehr als „Trittbrettfahrer des Cuxland-Tourismus“ zu gelten, sondern als „touristisches Oberzentrum“ in der Region, trumpft Goes auf. Es gehe aufwärts, das belegen auch die Hotelbuchungen „und das große Interesse der Reiseveranstalter“, sagt Schöttler. Für Juni sei die Stadt bereits ausgebucht – und das noch vor dem Termin der „Lütten Sail“ und obwohl das neue Konferenzcenter noch nicht eröffnet ist.Deshalb sehen die Bremerhaven-Werber hier auch dringenden Handlungsbedarf: „Wir brauchen unbedingt mehr Hotelzimmer in der Stadt.“ Das Europa-Center neben dem Auswandererhaus sei der nächste wichtige Schritt dahin. Goes: „Das wird gut 150 Zimmer mehr bringen. Das wird etwas. Es hat gerade erfolgversprechende Gespräche mit den Investoren gegeben.“ Die Zusammenarbeit mit den Umlandgemeinden laufe beim Tourismus sehr positiv. „Wir ergänzen uns wunderbar“, sagen er und Schöttler zum Cuxland. Im Hinblick auf das Nordseeheilbad Cuxhaven aber noch mit gebremstem Schaum. Denn die Kooperation mit den Cuxhavenern lässt zu wünschen übrig, urteilen auch die Cuxland-Gemeinden.
Uraltes Hauptproblem ist die fehlende gemeinsame Kurkarte für die Region – eine „Entdeckercard“ nur für Bremerhaven und das Cuxland. „Auf Grund der Rechtslage“ sei noch keine Lösung gefunden worden, zieht sich Cuxhavens Kurdirektor Erwin Krewenka auf die Paragrafen zurück.Cuxhavens Marketingleiter Jochen Kugler hingegen sieht die Politik in der Verantwortung, die Sache voranzutreiben, um die Frage des Finanzausgleichs zu klären. Letzlich gehe es darum, wer welche Angebote vorhalte. Grundsätzlich ergänzten sich das Repertoire von Bremerhaven und Cuxhaven sehr gut, betont Kugler, während er Fischdosen mit Kugelbake-Motiv verteilt. „Wir verfügen über reichlich Bettenkapazitäten und haben einen richtigen Strand. Aber es ist doch klar, dass die Leute auch die Attraktionen in Bremerhaven besuchen.“Das Nordseeheilbad hat sich auf der ITB mit den Cuxland-Gemeinden unter die Beteiligten des Stands „Die Nordsee“ im Bereich „Niedersachsen“ gemischt, zwischen viele Inseln. Zu Fuß etwa Hundert Meter von Bremerhaven entfernt. „Wenn wir hier einen gemeinsamen Stand mit dem Cuxland gebildet hätten, wären wir untergegangen“, meint ein BIS-Mitarbeiter beim Blick zur „Nordsee“.
Breites Medienecho
Mittwoch präsentierte sich das „Klimahaus 8° Ost“ bei einer ITB-Pressekonferenz. Das Bundesumweltministerium übernimmt die Schirmherrschaft für die Erlebnis-Ausstellung, die am 1. März 2009 eröffnet werden soll und schon ein breites Medienecho hervorruft, freut sich Marieke Sander, zuständig fürs Marketing.
Das neue „Sea-Life-Center“ für Cuxhaven, die Sportveranstaltungen im „Stadion am Meer“ und Großveranstaltungen wie „Open Ship“ waren Themen, die Krewenka Donnerstag bei der Pressekonferenz „Cuxhaven“ vorstellte – zwischen den Konferenzen von „Flandern-Brüssel“ und „Zypern“. Seit das Nordseeheilbad (2006: 2,9 Millionen Übernachtungen) die Kölner Agentur „Mundo Marketing“ angeheuert hat, muss der Kurdirektor mehr Selbstbewusstsein zeigen und müht sich etwas, Cuxhaven jung und frisch zu verkaufen: „Wir bleiben hart am Wind.“